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IWH-Flash-Indikator III. Quartal und IV. Quartal 2021

Zu Beginn des zweiten Quartals 2021 wurde die wirtschaftliche Erholung durch die dritte Corona-Welle gebremst. Dennoch stieg das Bruttoinlandsprodukt um 1,5%. Allerdings bestanden Angebotsrestriktionen für Dienstleistungen in einigen Bereichen fort. Weil die Corona-Impfquote mittlerweile recht weit vorangeschritten ist, könnten diese Restriktionen aufgehoben werden. Es gibt aber auch Hinweise, dass die Impfungen weniger wirksam sein könnten als erhofft. Außerdem nehmen die Infektionszahlen mit Verbreitung der Delta-Variante wieder zu, was die Aussichten für den Herbst erneut eintrübt. Zudem hemmen in der gewerblichen Wirtschaft weiterhin Lieferketten- und Beschaffungsprobleme, welche zu steigenden Einkaufs­preisen führen, die Produktion. Die Wirtschaft in Deutschland dürfte laut IWH-Flash-Indikator im dritten Quartal 2021 um 1,0% expandieren und im vierten Quartal um 0,1% leicht zurückgehen (vgl. Abbildung 1).

09. August 2021

Autoren Katja Heinisch Oliver Holtemöller Axel Lindner Birgit Schultz

Das Bruttoinlandsprodukt nahm im zweiten Quartal 2021 um 1,5% zu, nachdem es im ersten Quartal um 2,1% zurückgegangen war. Corona-Maßnahmen im Einzel­handel, in der Gastronomie und im Tourismusbereich behinderten bis weit ins Frühjahr die wirtschaftlichen Aktivitäten. Mittlerweile konn­ten diese Bereiche wieder aufholen. Dies zeigt sich auch in der GfK-Konsumklima­umfrage, in der die Einkommens- und Konjunkturerwartungen der Konsumenten deutlich angestiegen sind. Allerdings gab es zuletzt einen kleinen Dämpfer. „Wenn­gleich die Impfkampagne in Deutschland bereits weit vorangeschritten ist, mehren sich die Stimmen, die vor einer vierten Welle warnen. Ein erneutes Hochfahren der Restriktionen würde die wirtschaftlichen Aktivitäten im vierten Quartal 2021 wieder bremsen“, sagt Oliver Holtemöller, Leiter der Abteilung Makroökonomik und Vizeprä­sident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Zudem könnten die zuletzt deutlich über dem Vorjahr liegenden Verbraucherpreise die Konsumfreude ein­trüben. Allerdings ist die Inflationsrate von 3,8% im Juli 2021 zum großen Teil auf einen Basiseffekt durch die temporäre Mehrwertsteuersenkung ab Juli 2020 sowie den in der ersten Corona-Welle im Frühjahr 2020 niedrigen Erdölpreis zurückzuführen.

Im Produzierenden Gewerbe konnten die angebotsseitigen Restriktionen noch immer nicht ausgeräumt werden. So wurde laut IHS Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI) von anhaltenden massiven Lieferengpässen und stark gestiegenen Einkaufs­preisen berichtet. Weiterhin sehr gut ist laut ifo-Geschäftsklimaumfrage die Geschäfts­lage im Verarbeitenden Gewerbe. Allerdings verschlechtern sich bereits seit einigen Monaten die Geschäftserwartungen deutlich. Die Auftragseingänge im Verarbeiten­den Gewerbe waren trotz eines kleinen Rückgangs im Mai zuletzt wieder ausgespro­chen kräftig. Jedoch zeigt sich dies in der Produktionsstatistik aufgrund der Engpässe noch nicht, die Produktionszahlen sind weiterhin rückläufig. „Die gewerbliche Wirtschaft scheint auf den rückläufigen Trend einzuschwenken, auf dem sie schon vor der Corona-Pandemie war“, meint Oliver Holtemöller. Der Early-Bird-Indikator der Commerz­bank liegt im Juli 2021 weiter auf hohem Niveau, wenngleich sich das welt-wirtschaftliche Umfeld weniger günstig darstellt.

Besonders in den USA, Großbritannien und der Europäischen Union deuten die Stim­mungsindikatoren auf eine fortgesetzte wirtschaftliche Erholung, während sich in Asien die Aussichten vielfach etwas eingetrübt haben. Hier schlägt sich nieder, dass in den westlichen fortgeschrittenen Volkswirtschaften die Impfkampagnen gut voran­ge­kommen sind, sodass die neuerlichen Infektionswellen ökonomisch vermutlich nicht so viel Schaden anrichten werden wie die vorangegangenen. Im zweiten Quartal war nach ersten Schätzungen der Pro­duktionszuwachs im Euroraum mit 2% und in den USA mit 1,6% aber auch des­halb höher als in China (1,3%) oder Korea (0,7%), weil die Phase der kräftigsten Erholung vom Pandemieschock in Asien schon ins vergangene Jahr gefallen ist.

Der IWH-Flash-Indikator basiert auf einer Fülle von Einzelprognosen, die anhand der in der Vergangenheit (seit dem Jahr 1991) beobachteten Zusammenhänge die zukünftige Entwicklung prognostizieren. Um die Effekte von Pandemie und Lockdown abzubilden, werden darüber hinaus Mobilitätsdaten von Google (COVID-19 Community Mobility Reports) berücksichtigt. Aus dem Modell abgeleitet nimmt das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal demnach um 1,0% zu und sinkt im vierten Quartal 2021 um 0,1%.

[Die Zeitreihe mit den historischen Daten des Flash-Indikators sowie eine Beschreibung der Methodik finden Sie im Download-Bereich.]

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